Eine ganze Reihe von Software-Werkzeugen stehen dem Übersetzer heute zur Verfügung. Zum einen sind dies elektronische (Fach-) Wörterbücher, die das Nachschlagen beschleunigen, Platz auf dem Schreibtisch sparen, und die Einträge übersichtlicher präsentieren können. Im Gegensatz zu einem normalen Wörterbuchbenutzer ist es für einen Übersetzer besonders wichtig, eigene Einträge z.B. zu der speziellen Terminologie, die in den Texten eines Auftraggebers vorkommt, erstellen zu können. Soll umfangreiches Material übersetzt werden, dann erleichtert es eine solche kundenspezifische Terminologie-Zusammenstellung, die Begriffe korrekt und einheitlich zu übersetzen.1.4Häufig werden auch einsprachige Beschreibungen der Terminologie genutzt, die der Auftraggeber zur Verfügung stellt, oder die gewünschten Übersetzungen der Begriffe können aus bereits übersetzen Texten extrahiert werden. Es wird bereits Software angeboten, die diese Extraktion automatisch durchführt. Allerdings sind die Terminologieextraktion und die Identifikation der entsprechenden Übersetzung in gegebenen Paaren von Ausgangstexten und ihren Übersetzungen aktive Forschungsgebiete.
Ein Terminologie-Manager kann sich in der Art der Benutzung von einem Wörterbuch unterscheiden. Da Terminologie innerhalb eines Projekt und häufig darüber hinaus einheitlich übersetzt wird, kann er dem Übersetzer unaufgefordert auf die Übersetzung hinweisen.
Ein weiteres Werkzeug ist der Concordancer.
Er zeigt in verschiedenen Darstellungen alle mit einer Eingabe
übereinstimmenden Textstellen an.
Bereits wenn einsprachige Texte in beiden an der Übersetzung
beteiligten Sprachen
vorliegen, können Unterschiede in der
Verwendung eines Begriffs und seiner (vermuteten) Übersetzung
untersucht werden.
Um zu wertvollen Erkenntnissen zu gelangen, reicht es völlig aus,
dass die Texte aus vergleichbaren Bereichen kommen.
Man spricht hier auch von Vergleichskorpora oder
vergleichbaren Korpora (comparable corpora).
Da normalerweise beim Übersetzen ein natürlich wirkender
Text enstehen soll, wählt man auch für die Zielsprache
Texte, die in dieser Sprache ursprünglich verfasst wurden.
() zeigt, dass einsprachiges Material dem Übersetzer
helfen kann, den Ausgangstext besser zu verstehen und sich in der
Zielsprache treffender auszudrücken.
hat in seinem Experiment Testpersonen neben einen
Concordancer auch zwei statistische Werkzeuge zur Verfügung gestellt.
Das eine Werkzeug extrahiert auffällige Wortkombinationen
(sogenannte Kollokationen, siehe Abschnitt
).
Es kann z.B. eine Rangliste der Wörter erstellen, die
zusammen mit einem vorgegebenen Wort auftreten.
Das andere statistische Werkzeug zeigt die Verteilung der
Verwendungen von Ausdrücken im Textmaterial an und gibt damit
einen Hinweis darauf, ob es sich um verbreitete Ausdrucksweise
oder um spezielle einzelner Autoren handelt.
Wenn jedoch Unsicherheiten bestehen, ob alle in Frage kommenden Übersetzungen bekannt sind, oder wenn untersucht werden soll, unter welchen Bedingungen welche Übersetzung gewählt wird, dann werden Texte zusammen mit ihrer Übersetzung benötigt. Solches Material wird paralleles Korpus, bilinguales Korpus oder Bitext genannt. Je nach Anwendung ist es wichtig, dass nicht zu frei übersetzt wurde und dass die Übersetzungsrichtung einheitlich ist, d.h. dass Ausgangs- und Zielsprache nicht wechseln. Auch sind Texte problematisch, die aus einer dritten, nicht am Korpus beteiligten Sprache übersetzt wurden. Für die Arbeit eines Übersetzers sind die Ergebnisse früherer Übersetzungsbemühungen des gleichen Auftraggebers besonders aufschlussreich. Ein bilingualer Concordancer zeigt Textstellen zusammen mit ihrer Übersetzung an. Wahlweise können für eine oder beide Sprachseiten Wörter vorgegeben werden, die in den anzuzeigenden Stellen auftreten müssen. Hier übernimmt der Übersetzer Aufgaben, die eigentlich zu dem Arbeitsbereich eines Lexikographen gehören. Concordancer sind besonders hilfreich, wenn die Zielsprache der Übersetzung nicht die Muttersprache des Übersetzers ist. Es können Belege für Formulierungen gesucht und typische sprachliche Muster erkannt werden.
Wie bereits weiter oben erwähnt steht auch Software zur Verfügung, die eine Übersetzung automatisch erstellt. Zur maschinellen Übersetzung (machine translation, MT) sind einige populäre Irrtümer verbreitet, die solche Systeme in ein schlechtes Licht rücken. So sei MT grundsätzlich unbrauchbar, da sie den Sinn entstelle und zu viele Korrekturen erfordere. Richtig ist zwar, dass durch ein heutiges MT-System erstellte Übersetzungen grobe und sehr eigensinnige Mängel aufweisen. Welcher Anteil der Übersetzung unverständlich wird, hängt aber von den beteiligten Sprachen, dem benutzten MT-System und von den Eigenschaften des Ausgangstextes ab. Wenn bereits bei der Erstellung des Ausgangstextes auf einen einfachen Satzbau geachtet wurde, kann mit MT eine Rohübersetzung erstellt werden, deren Nachbearbeitungsaufwand geringer ist als der Aufwand einer manuellen Übersetzung.1.5Das hängt natürlich auch von der Arbeitsweise des Übersetzers ab. MT-Systeme haben aber schon dadurch Berechtigung, dass Übersetzungsdienstleister mit ihnen eine schnelle Rohübersetzung anbieten können. Nicht jeder Auftraggeber benötigt eine sprachlich einwandfreie Übersetzung. Für viele Zwecke reicht eine Übersetzung aus, die es erlaubt, den Inhalt des Ausgangstextes zu erschließen.
MT heißt nicht zwangsläufig, dass ein Ausgangstext in das System eingegeben wird und ohne jede Benutzerinteraktion eine Übersetzung entsteht. Nach der Art der Interaktion werden zwei Strategien unterschieden: HAMT (human aided machine translation) und MAHT (machine aided human translation). Bei der vom Menschen unterstützten maschinellen Übersetzung (HAMT) stellt der Computer dem Benutzer Fragen, z.B. wenn es Unsicherheiten bei der Interpretation des Ausgangstextes gibt. Gerne gewähltes Beispiel ist hier die Anaphernresolution, d.h. das Finden des Bezugs eines Pronomens. Das System zeigt den Ausgangstext an, hebt das Pronomen und in Frage kommende Antezedenzien hervor und bitten den Benutzer, eine Entscheidung zu treffen. Dieser Art der Übersetzung hat den Nachteil, dass der Benutzer in eine passive Rolle gezwungen wird. Die Fragen sind zahlreich und häufig anspruchslos. Nicht jede Mehrdeutigkeit wird erkannt, sodass immer noch eine Nachbearbeitung der Übersetzung notwendig ist.
Im Gegensatz dazu übernimmt bei der maschinengestützten Übersetzung (MAHT) der Übersetzer die aktive Rolle.
Die Art, wie der Computer dem Übersetzer hilft, kann sehr unterschiedlich sein. Es gibt Systeme, die aufgrund des Ausgangstextes1.6während der Eingabe der Übersetzung Vorhersagen treffen, welches Wort gerade geschrieben werden soll. Da ein erfahrender Schreiber beim Maschinenschreiben auf den Bildschirm schaut, kann er die Vorhersage mit einem Tastendruck übernehmen und so die Schreibgeschwindigkeit erhöhen. Interessanter ist aber die Möglichkeit, bereits bevor das erste Zeichen eines Wortes eingegeben wurde Vorschläge für das nächste Wort zu erhalten. Mehrdeutigkeiten, die ein MT-System zu einer möglicherweise falschen Entscheidung zwingen, können hier offen bleiben.
Ein weiteres Hilfsmittel ist das Translation Memory, kurz TM, um das es in der vorliegenden Arbeit geht. Der Begriff TM steht sowohl für das Hilfsmittel als auch für das zweisprachige Textmaterial, auf das es zugreift. Mit einem bilingualen Concordancer hat ein TM aber nicht viel gemeinsam. Der Zweck eines TMs ist, Sätze (oder andere Texteinheiten), die schon einmal übersetzt wurden, nicht erneut übersetzen zu müssen, sondern die Übersetzung aus dem vorhandenen Textmaterial abrufen zu können, sodass während des Übersetzungsprozesses die bereits geleistete Übersetzungsarbeit genutzt werden kann. Ein TM sucht dazu eine passende Stelle im ausgangssprachlichen Material und identifiziert dann die Übersetzung in der zielsprachlichen Seite des Textmaterials. Das im TM gespeicherte Material wird daher auch als Referenzmaterial bezeichnet. Die Identifikation der Übersetzung erfordert, dass eine Sprachseite des Textmaterials Übersetzung der anderen Seite sein muss. Vergleichbarkeit der Texte reicht nicht aus.1.7Anders als bei einem bilingualen Concordancer werden nicht einzelne Wörter, sondern längere Einheiten, meistens ganze Sätze, abgefragt. Des Weiteren ist ein TM nicht als Recherchewerkzeug ausgelegt. Es tritt gewöhnlich von selbst in Aktion, bevor ein Satz übersetzt werden soll.
Beim Übersetzen von Bedienungsanleitungen, Handbüchern und anderen Texten, zu denen eine ältere Fassung bereits übersetzt wurde, kann ein Translation Memory (TM) helfen, Zeit zu sparen. Zu Sätzen, die wortwörtlich im Referenzmaterial vorhanden sind, kann die alte Übersetzung i.d.R. ohne Rückfragen übernommen werden. Der Übersetzer muss nur eingreifen, wenn zum Ausgangstext kein Referenzmaterial gefunden werden kann.
Zentrales Werkzeug für den Übersetzer ist jedoch ein spezielles Textverarbeitungsprogramm, das den bereits vorhandenen Ausgangstext besonders berücksichtigt. Das Anfertigen einer Übersetzung unterscheidet sich vom Verfassen eines neuen Textes insbesondere in folgenden Punkten. So können die Struktur und Formatierung des Ausgangstextes übernommen werden. Auch macht es Sinn, während des Schreibens die zugehörige Stelle im Ausgangstext fortlaufend auf dem Bildschirm anzuzeigen oder eine Möglichkeit anzubieten, auf Verlangen zu ihr zu springen. Dieses und viele andere Kleinigkeiten können die Produktivität erheblich steigern.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Zusammenspiel der einzelnen Komponenten. Z.B. darf es nicht zu umständlich sein, während des Schreibens mögliche Übersetzungen zu einem Wort des Ausgangstextes oder Synonyme eines gerade geschriebenen Wortes abzufragen. Ziel ist es, den Übersetzer bei seiner Arbeit so gut wie möglich durch den Computer zu unterstützen. Man spricht daher von computer-assisted translation (CAT). Der Begriff überschneidet sich mit machine-aided human translation (MAHT, siehe oben).